Wie funktioniert die Standortauswahl generell?

Wie die Suche abläuft, ist im Standortauswahlgesetz geregelt. Zunächst wird das gesamte Bundesgebiet in Betracht gezogen. In drei Phasen wird das Gebiet dann eingegrenzt. Dabei werden immer mehr Informationen und Daten gewonnen. Auf dieser Grundlage werden Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und geowissenschaftlichen Abwägungskriterien zur Eingrenzung in jeder Phase erneut angewendet. Am Ende der dritten Phase steht die Festlegung des Standortes, an dem ein Endlager die bestmögliche Sicherheit für eine Million Jahre bietet.

Ausschlusskriterien: Welche Regionen kommen nicht in Frage?
Auf Grundlage von geologischen Daten wird am Anfang bestimmt, welche Regionen Deutschlands für ein Endlager nicht in Betracht kommen. Ungeeignet sind beispielsweise Gebiete, in denen in der jüngeren Erdgeschichte Vulkanismus auftrat oder erwartet wird, die Gefahr von Erdbeben besteht oder der Untergrund durch Bergbautätigkeiten stark geschädigt ist.

Mindestanforderungen: Welche Anforderungen muss ein Standort mindestens erfüllen?
Das Endlager muss beispielsweise in einer mindestens 100 Meter starken Schicht aus Kristallingestein, Ton oder Salz angelegt werden. Zudem muss das Endlager mindestens 300 Meter unterhalb der Erdoberfläche liegen. Wenn ein Standort diese Anforderungen nicht erfüllt, wird er aus der Suche ausgeschlossen.

Geowissenschaftliche Abwägungskriterien: Wie können die übrig gebliebenen Regionen verglichen werden?
Die verbliebenen Gebiete werden anschließend anhand von geowissenschaftlichen Abwägungskriterien beurteilt. Um festzustellen, ob an einem Standort eine günstige geologische Gesamtsituation vorliegt, werden z. B. der mögliche Transport von Schadstoffen durch Grundwasser oder die Temperaturverträglichkeit der Gesteine betrachtet.

Gleichwertige Gebiete weiter einengen?
Wenn nach der Anwendung der geowissenschaftlichen Abwägungskriterien verschiedene Gebiete sicherheitstechnisch gleichwertig sind oder sehr große Gebiete weiter eingegrenzt werden sollen, können zusätzlich planungswissenschaftliche Abwägungskriterien berücksichtigt werden. Diese sind zum Beispiel der Abstand zu Siedlungen oder Naturschutzgebieten.

Phase 1
In Phase 1 werden nach einer vorläufigen Sicherheitsuntersuchung Standortregionen ermittelt, die im weiteren Prozess vertiefend untersucht werden sollen. Dabei kommen Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen sowie geowissenschaftliche und planungswissenschaftliche Abwägungskriterien zur Anwendung. Außerdem werden repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen durchgeführt. Grundlage sind bereits vorhandene Geodaten der Bundes- und Landesbehörden. Gezielte Erkundungen werden noch nicht durchgeführt.

Phase 2
In der zweiten Phase erfolgt die übertägige Erkundung der in Phase 1 ermittelten Standortregionen. Es werden Erkundungsbohrungen und verschiedene Messungen durchgeführt, die vertiefte Informationen über den Untergrund und die Geologie des Standortes liefern.
Durch die hier gewonnenen Erkenntnisse können die Auswahlkriterien auf einer verbesserten Datengrundlage erneut angewendet und weiterentwickelte vorläufige Sicherheitsuntersuchungen durchgeführt werden. Durch ein Bundesgesetz wird schließlich festgelegt, welche Standorte in Phase 3 untertägig erkundet werden sollen.

Phase 3
In der dritten Phase werden an mindestens zwei Standorten Erkundungsbergwerke für die untertägige Erkundung errichtet. So können Geologinnen und Geologen die Eigenschaften des Gesteins vor Ort genau untersuchen. Auf dieser Grundlage werden erneut die Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und Abwägungskriterien angewendet und umfassende vorläufige Sicherheitsuntersuchungen durchgeführt.
Die Ergebnisse der Untersuchungen werden vom BfE bewertet und mit den Ergebnissen des Beteiligungsverfahrens abgeglichen. Das BfE schlägt dann einen Endlagerstandort vor, über den der Bundestag und der Bundesrat mit einem Gesetz entscheiden