Glossar

Abwägungskriterium, geowissenschaftliches:
Dient im Rahmen des Standortauswahlverfahrens zur Abwägung von Untersuchungsräumen gegeneinander, nachdem Ausschlusskriterien und Mindestanforderungen angewendet bzw. repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen durchgeführt wurden.

Abwägungskriterium, planungswissenschaftliches:
Wird im Rahmen des Standortauswahlverfahrens zur Einengung großer, potenziell für ein Endlager geeigneter Gebiete sowie zum Vergleich zwischen Gebieten genutzt, die unter Sicherheitsaspekten als gleichwertig zu betrachten sind. Aufgrund des Primats der Sicherheit nachrangig gegenüber vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen, Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und geowissenschaftlichen Abwägungskriterien.

Ausschlusskriterium:
Kriterium zur Anwendung in allen Phasen des Standortauswahlverfahrens. Führt bei Erfüllung zum Ausschluss des Teilgebiets/der Standortregion/des Standortes.

Bergung:
Das Herausholen von Behältern mit hoch radioaktivem Abfall aus einem bereits vollständig verschlossenen Endlager. Dies kann zum Beispiel durch das Auffahren eines zweiten Bergwerks in Nachbarschaft zu dem ursprünglichen Endlagerbergwerk erfolgen, über das die Bergung durchgeführt wird. Voraussetzungen dafür sind die Wiederauffindbarkeit, d.h. die genaue Kenntnis der Lage der Abfälle zum Zeitpunkt der Einlagerung, sowie der intakte Zustand der Behälter. Gegenüber einer Rückholung ist eine Bergung mit deutlich höherem Aufwand verbunden.

Betrieb:
Während des Betriebs werden die radioaktiven Abfälle in das Endlager eingelagert. Dabei können parallel neue Einlagerungsstrecken errichtet, offene Einlagerungsstrecken befüllt und bereits vollständig belegte Bereiche unter Berücksichtigung der Reversibilität verfüllt werden.

Errichtung:
Die Errichtung des Endlagers umfasst die Errichtung von Schächten, Rampen, unter- und übertägigen Infrastrukturbereichen, Transportstrecken und ersten Einlagerungsstrecken. Weitere Einlagerungsstrecken können während des Betriebs kontinuierlich errichtet werden.

Genehmigungsverfahren:
Nach dem Abschluss des Standortauswahlverfahrens durch die Standortentscheidung wird das Genehmigungsverfahren für das Endlager an diesem Standort eingeleitet. In diesem Verfahren wird überprüft, ob die relevanten gesetzlichen Vorgaben (insbesondere die Sicherheitsanforderungen sowie die weiteren Bestimmungen vor allem des Atom-, Berg- und Wasserrechtes) erfüllt werden. Genehmigungsbehörde ist das BfE.

Geowissenschaftliche Daten:
Grundlage für die Eingrenzung der Standortregionen unter Anwendung der Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und Abwägungskriterien. Zu den geowissenschaftlichen Daten gehören unter anderem Informationen zu Gesteinseigenschaften, zur Lage und Beschaffenheit der geologischen Schichten und zur geologischen Entwicklung der Region. Vorhandene Daten werden der BGE von den geologischen Diensten der Länder und des Bundes zur Verfügung gestellt. Im Zuge der übertägigen und untertägigen Erkundung der Standortregionen bzw. der Standorte werden weitere, detaillierte Daten erhoben.

Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe (Endlagerkommission):
Die Kommission wurde auf Grundlage des Standortauswahlgesetzes im Jahr 2014 einberufen. Neben Vertretern der Wissenschaft waren auch gesellschaftliche Gruppen sowie politische Vertreter der Länder und des Bundestags Mitglieder der 33-köpfigen Kommission. Ende Juni 2016 hat die Kommission ihren Abschlussbericht vorgelegt, in dem sie Bundestag und Bundesrat Handlungsempfehlungen bezüglich der Suche nach einem Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle unterbreitet. Dieser Bericht war die Grundlage für die umfassende Novellierung des Standortauswahlgesetzes im Frühjahr 2017.

Langzeitsicherheit:
Die hochradioaktiven Abfälle müssen im Endlager konzentriert und sicher eingeschlossen werden, dass sie von der Biosphäre ferngehalten werden. Dies muss für einen Zeitraum von einer Million Jahren nachgewiesen werden. Die konkreten Anforderungen an den Nachweis der Langzeitsicherheit werden in den Sicherheitsanforderungen festgelegt.

Mindestanforderung:
Anforderung an die regionale geologische Situation in allen Phasen des Standortauswahlverfahrens, deren Nichterfüllung zum Ausschluss der Gebiete führt.

Robustheit:
Die Unempfindlichkeit der Sicherheitsfunktionen des Endlagersystems und seiner Barrieren gegenüber inneren und äußeren Einflüssen und Störungen.

Rückholbarkeit:
Möglichkeit, hochradioaktiven Abfall aus einem Endlager wieder zurückzuholen, wenn dieser bereits im Endlager eingelagert, das Endlager insgesamt aber noch in Betrieb ist. Zur Gewährleistung der Rückholbarkeit müssen Vorkehrungen getroffen werden, die – ohne Beeinträchtigung der Langzeitsicherheit – eine Rückholung der Endlagerbehälter möglich machen. Die dazu nötigen technischen Geräte etc. müssen während des Betriebs bereitgehalten werden.

Sicherheitsanforderungen:
Die Sicherheitsanforderungen legen fest, welches Sicherheitsniveau ein Endlager für hochradioaktive Abfälle in tiefen geologischen Formationen zur Erfüllung der atomrechtlichen Anforderungen nachweislich einzuhalten hat. Sie werden durch Artikel 1 der Verordnung über sicherheitstechnische Anforderungen an die Entsorgung hochradioaktiver Abfälle festgelegt. Grundlage für diesen sind die Sicherheitsanforderungen des BMU von 2010, die auf Basis der Empfehlungen der Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe überarbeitet wurden.

Sicherheitskonzept:
Zur Gewährleistung der Langzeitsicherheit sind unterschiedliche Sicherheitskonzepte möglich. Das Sicherheitskonzept kann entweder auf dem Wirtsgestein (einschlusswirksamer Gebirgsbereich) oder auf technischen und geotechnischen Barrieren, d.h. den Endlagerbehältern in Verbindung mit weiteren Barrieren, beruhen. Vorläufige Sicherheitskonzepte werden bereits in den vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen entwickelt und im Laufe des Standortauswahlverfahrens weiterentwickelt. Sie bilden die Grundlage für die konkrete technische Auslegung des Endlagers.

Sicherheitsuntersuchung:
Im Rahmen einer Sicherheitsuntersuchung wird prognostiziert, wie zuverlässig ein mögliches Endlager am untersuchten Standort bzw. in der untersuchten Standortregion die erforderliche Langzeitsicherheit gewährleisten kann. In jeder Phase des Standortauswahlverfahrens werden vorläufige Sicherheitsuntersuchungen mit einer der vorhandenen Datenlage angemessenen Detailtiefe durchgeführt. Die Anforderungen an die Durchführung von vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen werden durch Artikel 2 der Verordnung über sicherheitstechnische Anforderungen an die Entsorgung hochradioaktiver Abfälle festgelegt.

Standort:
Am Ende von Phase 2 des Standortauswahlverfahrens werden potentiell für ein Endlager geeignete Standorte benannt. An diesen wird in Phase 3 eine untertägige Erkundung durchgeführt.

Standortauswahlgesetz (StandAG):
Das StandAG bildet die gesetzliche Grundlage des Standortauswahlverfahrens. In seiner ersten Fassung wurde es im Jahr 2013 vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Die Kommission Lagerung hoch radioaktiver Abfallstoffe hat eine Evaluation des StandAG durchgeführt, auf deren Basis der Deutsche Bundestag das Gesetz im Frühjahr 2017 umfassend novelliert hat.

Standortauswahlverfahren:
Im Verfahren nach dem StandAG soll der Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle in der Bundesrepublik Deutschland gefunden werden, der die bestmögliche Sicherheit für einen Zeitraum von einer Million Jahren garantiert. Das Verfahren ist in drei Phasen untergliedert, an seinem Ende steht die Standortentscheidung für einen Standort.

Standortentscheidung:
Die Entscheidung des Deutschen Bundestages über den in Phase 3 vorgeschlagenen Standort zur Errichtung eines Endlagers stellt den Abschluss des Standortauswahlverfahrens dar. Diese Entscheidung wird für das Jahr 2031 angestrebt.

Standortregion:
Am Ende von Phase 1 des Standortauswahlverfahrens werden potentiell für ein Endlager geeignete Standortregionen ausgewiesen. Diese bilden die Grundlage für die übertägige Erkundung in Phase 2.

Standortvorschlag:
Nach der Prüfung aller Unterlagen und einem abschließenden Standortvergleich in Phase 3 des Standortauswahlverfahrens schlägt der Vorhabenträger einen Standort zur Errichtung eines Endlagers vor. Über diesen entscheidet der Deutsche Bundestag.

Stilllegung:
Sind alle hierfür vorgesehenen radioaktiven Abfälle in das Endlager eingelagert (Betrieb) und entwickelt es sich erwartungsgemäß, kann das Endlager stillgelegt werden. Dazu werden sämtliche untertägigen Anlagen wie Strecken, Schächte und Rampen verfüllt und verschlossen und die übertägigen Anlagen rückgebaut. Der Beginn der Stilllegung markiert das Ende des Betriebs.

Teilgebiet:
Teilgebiete werden nach erstmaliger Anwendung der Ausschlusskriterien, Mindestanforderungen und Abwägungskriterien in Phase 1 des Standortauswahlverfahrens benannt. Anschließend werden repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen in den Teilgebieten durchgeführt.

Übertägige Erkundung:
In Phase 2 des Standortauswahlverfahrens werden die verbleibenden Standortregionen von über Tage erkundet. Dies umfasst alle notwendigen geowissenschaftlichen Erkundungsmaßnahmen, die ohne die Einrichtung eines Bergwerks durchgeführt werden können, also beispielsweise seismische Messungen und Bohrungen.

Untertägige Erkundung:
In Phase 3 des Standortauswahlverfahrens werden die verbleibenden Standorte von unter Tage erkundet. Dies beinhaltet auch die Einrichtung eines Bergwerkes, in dem die Eigenschaften des für die Endlagerung vorgesehenen Wirtsgesteins in situ untersucht werden können.

Wirtsgestein:
Geologische Einheit, in die die radioaktiven Abfallstoffe eingelagert werden sollen. Grundsätzlich kommen Steinsalz, Tonstein und kristalline Gesteine wie z.B. Granit für die Endlagerung radioaktiver hoch radioaktiver Abfälle in Frage.