Artikel 2: Die Anforderungen an die Sicherheitsuntersuchungen

In jeder der drei Phasen der Standortauswahl werden vorläufige Sicherheitsuntersuchungen durchgeführt. Wie diese durchzuführen sind, wird in Artikel 2 geregelt. Sie bilden eine wesentliche Grundlage für die Entscheidung, welche Gebiete für die vertiefte Untersuchung in der jeweils nächsten Phase des Verfahrens bzw. als endgültiger Standort vorgeschlagen werden.

  • Phase 1: Repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen
  • Phase 2: Weiterentwickelte vorläufige Sicherheitsuntersuchungen
  • Phase 3: Umfassende vorläufige Sicherheitsuntersuchungen


Der Wissensstand über den jeweiligen Untersuchungsraum und dessen Eignung als Endlager kann so nach und nach vertieft werden. Schrittweise wird dabei auch das Sicherheitskonzept für das zu errichtende Endlager optimiert.

Wie läuft die vorläufige Sicherheitsuntersuchung ab?
Für jeden Untersuchungsraum muss eine eigene Geosynthese erstellt werden. In dieser werden zunächst alle geowissenschaftlichen Informationen über diesen Untersuchungsraum zusammengeführt und interpretiert.

Anschließend wird ein vorläufiges Sicherheitskonzept erstellt und davon ausgehend eine vorläufige Auslegung des Endlagers entwickelt. Der Inhalt von Sicherheitskonzept und Endlagerauslegung ist in den Sicherheitsanforderungen geregelt. Das Sicherheitskonzept beschreibt die Barrieren, das Verschlusskonzept und alle weiteren Maßnahmen, mit denen an einem Standort der sichere Einschluss im Endlager erreicht werden soll. Die Auslegung des Endlagers beschreibt die praktische, technische Umsetzung des Sicherheitskonzepts.

Auf Grundlage dieser Arbeiten – Geosynthese, vorl. Sicherheitskonzept und vorl. Endlagerauslegung – wird eine Systemanalyse durchgeführt. Dabei werden sowohl die betriebliche Sicherheit des Endlagers als auch seine Langzeitsicherheit, also vor allem der sichere Einschluss der radioaktiven Abfälle für eine Million Jahre, umfassend untersucht. Bei der Analyse der Langzeitsicherheit muss nicht nur die erwartete zukünftige Entwicklung des Endlagersystems betrachtet werden, sondern auch mögliche Abweichungen davon – vor allem, wenn Sie die Sicherheit des Endlagers gefährden können.
Außerdem wird in der Systemanalyse beurteilt, welche geowissenschaftlichen Abwägungskriterien für den Untersuchungsraum besonders relevant sind.

Ausgehend von diesen Informationen wird der jeweilige Untersuchungsraum und das dafür vorgesehene Endlagersystem umfassend bewertet. Entscheidend ist dabei, wie zuverlässig der sichere Einschluss der radioaktiven Abfälle möglich ist und wie robust das Endlagersystem gegen innere und äußere Einflüsse ist.

Zuletzt werden die noch bestehenden Ungewissheiten und Kenntnisdefizite ausgewiesen und beschrieben, welchen Einfluss diese auf die Bewertung des Untersuchungsraumes haben. Daraus werden mögliche Forschungs- und Entwicklungsbedarfe für die folgenden Phasen des Auswahlverfahrens abgeleitet.

Alle diese Ergebnisse werden hinterher zu einem Bericht für jeden Untersuchungsraum, der vorläufigen Sicherheitsuntersuchung, zusammengeführt.