Technische Lösung macht ein Endlager überflüssig

Herr Minister Altmaier hat am 5.9.2019 auf dem Wind-Krisen-Gipfel um Vorschläge zur Lösung gebeten. Mein eingereichter Lösungsansatz betrifft sowohl die Energiewende, als auch die Endlagerfrage. Es gibt nicht nur einen Ansatz, aber der aufgezeigte DUAL-FLUID-REAKTOR vereint mehrere entscheidende Vorteile. Die Gründe für den Ausstieg aus der Kernkraft treffen alle für diesen Reaktor nicht zu, insbesondere aber löst er das Endlagerproblem. Der Ansatz sollte aufgegriffen werden und genau so gründlich untersucht werden wie potentielle Endlagerstandorte.

Ich füge daher das Schreiben an Herrn Minister Altmaier mit meinem Vorschlag hier an.
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Sehr geehrter Herr Minister Altmaier,

ihrem Wunsch vom 5. September entsprechend, erhalten sie einen Lösungsansatz mit einem konkreten Lösungsvorschlag für eine Energiezukunft ohne CO2. Mein persönliches Erleben, auch und insbesondere mit Kernkraftkritikern, brachte ein noch besseres Ergebnis als die unten erwähnte online-Umfrage. Glaubenskrieger wird es immer einige geben. Damit müssen wir vermutlich leben, aber sie sollten nicht unser Handeln bestimmen.

Der Dual-Fluid-Reaktor – Technologie für die Zukunft statt Panik und Landschaftszerstörung

Die Überschrift ist schon die Zusammenfassung, und zwar die kürzest mögliche.

Der Industriestandort Deutschland braucht auch in Zukunft verlässlich in Zeitpunkt und Menge Energie. Das ist wesentlich mehr als nur Strom. Der weitaus größte Teil der in Deutschland benötigten Energie wird für Prozesswärme, Raumwärme, Mobilität usw. nachgefragt. In allen genannten Bereichen fällt CO2 in großen Mengen an. Dieses CO2 wird monokausal für Klimaveränderungen verantwortlich gemacht und damit werden Ängste geschürt, die immer mehr panische Züge annehmen.

Energiewende als Problem

Als Lösung versucht man eine Energiewende, bislang fast ausschließlich im Bereich der Stromerzeugung. Die CO2 Belastung ist, abgesehen von der Stilllegung alter DDR-Industrie, seit 1990 dabei kaum wirklich gesunken.

Im Ergebnis sehen wir heute eine Landschaft in Deutschland, die immer stärker dem Diktat der Energiewende unterworfen wird, mit schon heute deutlich wahrnehmbaren Auswirkungen auf die Natur. Unsere Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen führt bei uns zu Monokulturen in der Landwirtschaft mit allen Folgen für die Artenvielfalt. Geeignete Lebensräume, die über das ganze Jahr Nahrung bieten, werden immer seltener. Unser Hunger nach nachwachsenden Rohstoffen beansprucht aber auch immer mehr Flächen weit weg von Deutschland. Können wir es der dortigen Bevölkerung verdenken, wenn sie versuchen, ein wenig mehr Wohlstand zu erreichen, indem sie unsere Nachfrage bedienen? Unsere Nachfrage nach Photovoltaikanlagen sollte Arbeitsplätze in Deutschland schaffen. Unser Wohlstandsniveau und damit die Personalkosten sorgte jedoch dafür, dass wir heute unsere Anlagen aus China beziehen. Damit erscheinen diese Anlagen zwar einigermaßen wirtschaftlich hier in Deutschland betreibbar, aber die Produktion in China benötigt Energie. Diese Energie bedingt CO2, allerdings jetzt in China. Kann man es den Chinesen verdenken, wenn sie unsere Nachfrage bedienen? E-Mobilität bedingt leistungsfähige Akkus. Zu deren Herstellung belasten wir in Chile sehr wasserarme riesige Landschaften mit gigantischem Verbrauch dieser Ressource. Der dortigen Bevölkerung entziehen wir damit ihre Nahrungsgrundlage. Im Kongo wird Kobalt für uns mit Kinderarbeit in Minen gewonnen. In Wirtschaft und Politik erlebt man immer wieder Führungskräfte, die darauf verweisen, dass die Kinder doch froh sein sollten, da sie ja sonst verhungern würden. Ich gehe davon aus, dass wir Sklaverei und Kolonien schon lange abgeschafft haben. Ich werde täglich eines Besseren belehrt, und Kinderarbeit für unseren Wohlstand und die ach so wichtige Energiewende scheint kein Problem zu bereiten je weiter weg Ausbeutung
stattfindet. Die theoretisch gewinnbaren Rohstoffe weltweit für die aktuell nachgefragten leistungsfähigen Akkus reichen gerade für rund 10% der heute schon vorhandenen Fahrzeuge. Je höher die Nachfrage, um so höher der Preis für diese dann rar werdenden Rohstoffe. Mobilität wird dann richtig teuer und nur für Wenige überhaupt noch darstellbar sein.

Windkraft zur Stromerzeugung in Deutschland beansprucht schon heute weite Teile unserer Landschaft und wird inzwischen immer mehr als Zerstörung von Landschaft wahrgenommen. Um die Energiewende nur auf der Stromseite zu vollenden, würden weitere Windräder erforderlich. Verstärkt wäre dann allerdings auch Speicherung der erzeugten Energie erforderlich. Und spätestens dann zeigt die Energiewende ihr wahres Gesicht. Biomasse als Ausgleich für kalte Dunkelflaute ist keine weitere naturverträgliche Handlungsoption (Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, am 8.2.2019). Speicherung über POWER TO GAS erfordert 3 Windräder, um die Energie eines Windrades speichern zu können. Wirkungsgrade bei der Zerlegung von Wasser (Wasserstoff), der Speicherung unter Druck in Kavernen und der anschließenden Stromerzeugung in einem Gaskraftwerk zeigen überdeutlich die Grenzen auf. Dieser Weg macht bestenfalls Sinn in Abwägung zur Abgabe des erzeugten Stromes ins benachbarte Ausland mit üblicherweise auch noch Kosten, damit wir den Strom dort überhaupt loswerden. Probleme auch bei der Verwendung von Akkus, insbesondere bei knappen Rohstoffressourcen, so dass die dafür benötigten Rohstoffe dann sicher nicht mehr zu heutigen Preisen bezogen werden können. Auch das Be-/Entladen von Akkus geschieht nicht verlustfrei. Der relativ günstigste Speicher zeigt sich in Form des Pumpspeicherwerkes. Für die Zeiten geringer Stromproduktion aus Solar und Wind lässt sich solch ein Pumpspeicherwerk in seiner Größe berechnen. Bodensee als Oberbecken und ein weiterer Bodensee als Unterbecken. Dazwischen Turbinen zur Stromerzeugung und Pumpen, um das Oberbecken auch wieder zu füllen. Diese beiden Seen würden dann bei entsprechendem Bedarf in recht kurzer Zeit ihren jeweiligen Wasserstand zwischen 100% und 0% komplett austauschen. Die Physik benötigt jedoch auch Höhe zwischen den beiden Seen. Zugspitzniveau. Umgerechnet auf übliche Talsperren mit Nutzhöhen von rund 50m, bedeutet das eine Fläche für Ober- und Unterbecken von 120 Bodenseen, oder gut die Hälfte der gesamten deutschen Waldfläche. Das wäre nur der Flächenbedarf für Strom. Da dann kaum noch Platz für Siedlung und Industrie verbleibt, würde der Stromverbrauch vermutlich zurückgehen und damit etwas weniger Fläche benötigt. Wir haben heute schon Pumpspeicherwerke und Talsperren zur Stromerzeugung in Deutschland. Und obwohl wir aktuell noch Kernkraft und fossile Kraftwerke in Deutschland betreiben, erlebt es die deutsche Industrie heute schon 70-mal im Jahr, dass ihr kurzfristig der Strom abgestellt wird, da zu wenig davon verfügbar ist. Einzelne Betriebe sind über 40-mal betroffen. Das sind keine kurzen Ausfälle, sondern im Bereich 1 bis 2 Stunden. 1 bis 2 Stunden für 10% der Netzleistung weil wir kaum Speicher haben. Im November sind regelmäßig 14 Tage Dunkelflaute. Es fehlen dann schnell mal für über 90% der Netzleistung. Diese Betriebe werden sich überlegen, wo sie in Zukunft produzieren. Die Produkte benötigen wir. Sie werden daher auch in Zukunft produziert werden. Selbst eine Verdreifachung der aktuell eingespeisten Wind- und Solarenergie kann den Stromverbrauch an vielen Tagen in Deutschland nicht decken (Prof.Dr. Fritz Vahrenholt, am 8.2.2019). Und da sind noch keine Speicherfüllungen nach dem Prinzip Power to Gas berücksichtigt.

Die aktuelle Diskussion in Deutschland scheint dabei häufig eher durch Emotionen geprägt, als durch fundiert belastbare Fakten. Es werden Forderungen aufgestellt, die Lösungen aber bleiben vage. Einschränkung des Verkehrs, Einschränkung des Energieverbrauchs, Ausstieg aus fossiler Energie und Kernkraft. Stattdessen Wind, Solar, Wasser und Biomasse. Die Stimmung wird zunehmend aggressiv und spaltet die Gesellschaft.

Wind, Solar und Biomasse sind Energiequellen mit relativ geringer Energiedichte und überwiegend auch nicht zeitlich abgestimmt zwischen Angebot und Bedarf. Geringe Energiedichte bedingt großes Anlagevolumen mit deutlichem energetischem Aufwand, um diese Anlagen zu bauen, zu unterhalten und später auch zu entsorgen. Um Angebot und Bedarf zeitlich darstellen zu können bedarf es entsprechender Speicher, die wiederum Volumen haben und energetischen Aufwand für Bau, Betrieb und Entsorgung. Alternativ zum Speicher haben wir heute noch Reservekraftwerksleistung, überwiegend fossil bedient, die aktuell weit entfernt vom technischen Optimum arbeiten müssen, da sie sich laufend den Produktionsschwankungen bei Wind und Solar ausgesetzt sehen. Wir leisten uns also doppelte installierte Leistung. Das große Anlagenvolumen und die doppelt installierte Leistung macht die Sache teuer und damit auch sozial problematisch, da immer mehr Bürger sich die teure Energie kaum noch leisten können, ja die Millionen von Haushalten, denen Stromsperre angedroht ist, ist lange überschritten und bei 100.000den schon Realität. Ähnliches gilt für die Industrie. Große industrielle Verbraucher werden bei Mangel an Strom im Netz mit kurzer Vorwarnzeit (15 Minuten) aus dem Netz geworfen, für Stunden. Das betrifft durchaus 10% der Netzleistung und das aktuell bis zu 70 mal im Jahr. Es merken so ja nur Wenige, diese jedoch sind wenig erfreut und suchen Lösungen, die sie nur selten in Deutschland umsetzen werden. Auch das ist auf Dauer sicher unsozial.

Großes Anlagevolumen, was bedeutet das? Gegenüber Anlagen zu Nutzung von Energie mit hoher Energiedichte durchaus den Faktor 700. Wir brauchen also viel, sehr viel, Platz für Windräder und Co und zugehörige Speicher. Wir ahnten solches schon, aber wir weigern uns auszusprechen: Der Kaiser hat ja gar nichts an, er ist nackt.

Auch der angesprochene energetische Aufwand zum Bau, Betrieb und Entsorgung eines Energiesystems sollte dem Nutzen, also der mit dem jeweiligen System gelieferten Energie gegenübergestellt werden. Das ist der sogenannte Erntefaktor. Ein Erntefaktor von 1 macht sicher keinen Sinn da Anlagebedarf und Liefermenge sich entsprechen. Wo fossile Kraftwerke und Wasserkraft noch im Bereich eines Faktors von rund 35 liegen, die Leichtwasserreaktoren der Vollständigkeit wegen bei einem Faktor von 75, liegen die Erneuerbaren um den das 10- bis 20-fache schlechter, Wind bei rund 3,6 und Solar bei rund 1,6 in Deutschland unter Berücksichtigung der erforderlichen Speicher für das jeweilige System der Stromerzeugung.

Eine Energiewende, wie wir sie aktuell losgetreten haben, kann so nicht funktionieren. Sie gefährdet nicht nur den Industriestandort Deutschland, sondern sie wird sich zunehmend auch als nicht sozial vertretbar erweisen. Deutschland ist keine abgeschlossene Insel. Der aktuell größere Teil der Welt schaut neidvoll auf unseren Wohlstand, und genau dorthin möchte dieser Teil der Welt. Das können wir denen auf Dauer nicht verwehren. Neue Kolonien zur Lösung unserer Energiefrage wird es sicher nicht geben. Obwohl wir arbeiten immer noch in diesem Gedanken. Regenwaldabholzung für Palmöl in unserem Biosprit, Kinderarbeit im Kongo für Kobalt in unseren Elektroautos. Solche Rechnungen gehen nicht auf.

Lösungsansatz Anlagenentwicklung mit hoher Energiedichte

Deutschland muss an seinen alten Kernkompetenzen arbeiten: Bildung, Entwicklung und Forschung. Dort liegt die Zukunft auch in dem Bereich Energie. Ökosozialismus wird nie ein Vorbild für die Welt sein ( Michael Theuer, MdB FDP, FAZ 24.8.2019).

Wir steigen aus Kernkraft und Kohle aus. Bei Kohle ist es das CO2 bei Kernkraft eine nicht fassbare Gefahr aus Havarie, Terroranschlag und ungelöster Endlagerfrage mit der Notwendigkeit einer sicheren Verwahrung über Zeiträume weit oberhalb von 100.000den von Jahren. Muss das so sein? Warum war es in der Vergangenheit so?

Unsere Kernkraftwerke sind eine Entwicklung mit militärischem Hintergrund aus einer Zeit von vor mehr als 70 Jahren. Die eingesetzten Brennstäbe werden gerade mal zu 3% abgebrannt. 97% sollen endgelagert werden. Dazu kommen die Abfälle aus der Herstellung dieser Brennstäbe und weitere Abfälle mit geringerem Aktivitätspotential. Tatsächliche Nutzung des Brennstoffs eher bei insgesamt nur 1%. Aus diesem geringen Teil haben wir seit den 1970ern rund 20% unseres Stromes dargestellt. Das in einem kerntechnischen Endlager zu entsorgende Energiepotential ist also erheblich.

Die Physik bietet erstaunliches. Neben der militärischen Auslegung und Optimierung von Anlagen besteht auch die Möglichkeit einer zivilen Optimierung. Zivile Optimierung, um Wärme zu gewinnen, die dann vielfältig einsetzbar ist. Eine Vollversorgung erscheint möglich, also Prozesswärme, Raumwärme, Mobilität und Strom sowieso. Ziviloptimiert bedeutet aber auch eine Auslegung so sicher, dass bei einem Schadenereignis keine Auswirkungen nach Außen treten, dass ein größtmöglicher Schutz vor Terror möglich wird, da solch eine Anlage sich sehr klein bauen lässt und damit gut geschützt werden kann. Der aktuell wichtigste Vorteil dürfte jedoch in der Tatsache liegen, dass unsere alten kerntechnischen Abfälle genutzt werden können, so dass ein Endlager nicht mehr benötigt wird. Statt einer Million Jahren werden nur noch 300 Jahre benötigt, und das auch nur für rund 10% der dann noch entstandenen Abfälle.

Wenn bislang nur rund 1% des Energieinhaltes genutzt wurde, um über rund 50 Jahre Strom zu erzeugen, dann führt das zu der Aussage, dass nunmehr für Hunderte von Jahren eine energetische Vollversorgung auf unserem heutigen Niveau möglich wird, ohne dass wir die Diskussion um Klimawandel durch menschengemachtes CO2 fortsetzen müssen. CO2 kommt bei diesem Ansatz zur Nutzung einer Energiequelle mit sehr hoher Energiedichte nicht vor. Wir reden hier von mindestens 200, wenn nicht sogar von 800 Jahren nur aus schon vorhandenen kerntechnischen Abfällen für den Fall Deutschland. Die Weltvorräte an radioaktivem Material , wie Natururan, Thorium usw., reichen weltweit deutlich weiter als die Menschheit heute denken kann.

Diese einführenden Worte habe ich gewählt, da die Meinung, dass das Problem Energie mit Windrädern lösbar ist, leider sehr weit verbreitet ist und Kritiker gerne unsachlich mundtot gemacht werden. Auch die Gründe für unsere Probleme mit der Kerntechnik sind nur selten bekannt und werden gerne pauschal auf den gesamten Bereich der Kernphysik übertragen.

Dabei ist auch die Kerntechnik in den letzten Jahrzehnten nicht stehengeblieben. Während man sich in Deutschland fast nur noch um die Verbesserung von Rückbautechniken bemüht, ist man in großen Industrieländern bereits mit der nächsten Generation von Kernreaktoren beschäftigt, ja sie sind schon in Betrieb. Besonders hervorzuheben sind hier Reaktoren mit flüssigem Brennstoff. Dabei gibt es keine festen Brennelemente mehr, der Brennstoff zirkuliert vielmehr ständig durch den Reaktorkern hindurch und kann jederzeit außerhalb des Reaktorkerns "gereinigt" werden. Mit Reinigung meint man die Entfernung von Spaltprodukten, der "Asche", und Hinzufügung neuen Brennstoffs. In heutigen Reaktoren mit festen Brennelementen müssen diese Spaltprodukte bis zum nächsten Wechsel im Brennelement verbleiben, sammeln sich an und stellen unter Umständen ein Problem dar. Sie sind in den ersten Monaten hochradioaktiv und produzieren ordentlich Wärme, die – wenn die Kühlung ausfällt – den Reaktorkern zum Schmelzen bringen können, wie in Fukushima geschehen. Man kann solche Situationen zwar technisch handhaben, aber die Gegenmaßnahmen sind teuer und verlassen sich überwiegend auf aktive Sicherungssysteme.

An dieser Stelle soll ein Beispiel aufgezeigt werden, welches in Deutschland entwickelt worden ist und welches das Potential hat einen wirklichen Lösungsbeitrag zu liefern. Der Dual-Fluid-Reaktor(DFR) vom Institut für Festkörper Kernphysik mit Sitz in Berlin.

Reaktoren mit flüssigem Brennstoff kann man passiv absichern, indem man sich auf den zuverlässigsten Helfer verlässt – die Physik. Durch einen gekühlten Abfluss in dem Rohr, das den Brennstoff in den Reaktorkern führt, friert ein kleiner Teil des Brennstoffs aus, so dass der Abfluss gestoppt wird. Jede Art vom Überhitzung führt dann sofort dazu, dass diese "Schmelzsicherung" sich öffnet und der Brennstoff nach unten sicher in dafür vorgesehene Behälter abgeführt wird. Man muss ihn dann nur wieder hochpumpen, und der Reaktor läuft weiter. Diese Idee stammt bereits aus den 60er Jahren und wurde genau so am Oak Ridge National Laboratory in den USA erfolgreich getestet: Zum Wochenende wurde der Test- Reaktor "überhitzt", der Brennstoff lief ab, und am Montag wurde er wieder in den Reaktorkern hochgepumpt.

Aber es gibt auch eine zweite, völlig unabhängige Sicherheitsbarriere, die sich nur auf die Physik verlässt: Der sogenannte Reaktivitätskoeffizient. Dieser beschreibt, wie viel mehr Kerne gespalten werden, wenn die Temperatur im Reaktorkern zunimmt. Man kann sich leicht denken, dass der Reaktivitätskoeffizient negativ sein sollte, sonst bewirkt ein Temperaturanstieg eine noch höhere Wärmeproduktion, was zu sogenannten Leistungsexkursionen führt, wie geschehen beim Tschernobyl-Reaktor. Bei allen heutigen Reaktoren westlicher Bauart ist dieser Koeffizient negativ, so dass in dieser Hinsicht prinzipiell nichts passieren kann. Bei Flüssigbrennstoffreaktoren ist dieser Koeffizient *stark* negativ, so dass sich der Reaktor quasi selbst regelt. Es bedarf keiner zusätzlichen Sicherheitstechnik.

Es gibt noch viele weitere Reaktorkonzepte, wie den natriumgekühlten schnellen Reaktor, die hier nicht alle beschrieben werden können. Jedoch muss man an dieser Stelle auf den oben erwähnten Erntefaktor zurückkommen. Er beschreibt die Energieeffizienz auf Erzeugerseite, also wie effizient Strom produziert werden kann und ist somit auch direkt an den Preis korreliert. Das beste Kraftwerk nützt nichts, wenn der Erntefaktor zu klein ist. Bei vielen der modernen Reaktorkonzepte ist der Erntefaktor in einem zumindest fragwürdigen Bereich, bei Flüssigkernreaktoren jedoch nicht. Der Erntefaktor beim Dual-Fluid-Reaktor liegt deutlich über 1000. Für Deutschland zwar nicht von Bedeutung, aber der Reaktor wäre auch in der Lage Kernwaffen zu nutzen und somit unschädlich zu machen. Dabei wäre ein Erntefaktor von über 6000, je nach Art des Kernbrennstoffes, möglich.

Der Dual-Fluid-Reaktor (DFR) wurde vor ca. 8 Jahren von einer Gruppe überwiegend deutscher Erfinder zum Patent angemeldet und ist in vielen Ländern bereits akzeptiert. In Deutschland haben sich die Erfinder zur Institut für Festkörper-Kernphysik gGmbH (IFK) zusammengeschlossen. Das Prinzip des DFR ist einfach: Es gibt zwei getrennte Kreisläufe, einen für den flüssigen Brennstoff und einen für die Kühlung mit flüssigem Blei, die im Reaktorkern, der wie ein Wärmetauscher aufgebaut ist, in Kontakt gebracht werden. So kann der Brennstoff optimal zu- und die Wärme optimal abgeführt werden. Das Ganze findet im Bereich Normaldruck statt, so dass ein Bersten dort ausgeschlossen werden kann. Auch Wasser, mit der Gefahr einer Wasserstoff- oder Wasserdampfexplosion, kommt im Bereich des Kernreaktors nicht vor. Diese einfache Grundidee führt zu einer erheblichen Effizienzsteigerung, so dass der Erntefaktor alle anderen Konzepte übertrifft.

Die hohe Effizienz erlaubt den Einsatz kostspieliger Materialien, die hoch widerstandsfähig sind. Dadurch ist es möglich, den DFR bei einer hohen Arbeitstemperatur von 1000 °C zu betreiben, was nicht nur den Wirkungsgrad weiter steigert, sondern auch die Möglichkeit der preiswerten Wasserstofferzeugung (abseits des Reaktors) erlaubt. Wasserstoff ist der Ausgangsstoff für Treibstoffe wie Ammoniak oder Hydrazin. Abschätzungen der Erfinder zufolge können diese Treibstoffe mit heutigem Benzin und Diesel locker konkurrieren – und all dies vollständig CO2-frei. Somit könnte nicht nur die Elektrizitätserzeugung, sondern der gesamte Wärme- und Verkehrssektor vollständig auf nuklear erzeugte Energie umgestellt werden, ohne die Infrastruktur ändern zu müssen, wie das z.B. bei Elektromobilität der Fall wäre.

Der DFR verdankt seine hohe Effizienz nicht zuletzt der vollständigen Nutzung des Brennstoffs. Statt wie oben beschrieben nur 1 Prozent kann der DFR den Brennstoff zu nahezu 100% nutzen. Die vollständige Verbrennung sorgt dafür, dass keine langlebigen Aktiniden übrig bleiben, die über Hunderttausende Jahre gelagert werden müssen, wie oben beschrieben. Die oben erwähnte "Reinigung" des Brennstoffs erfolgt beim DFR ebenfalls unkonventionell, nämlich durch Destillation oder verwandte Verfahren. Das IFK hat hierzu, mit Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), eine Studie angefertigt (2018/2019), die klar zeigt, dass eine Auftrennung der nuklearen Stoffe mit diesem Verfahren sehr kosteneffizient und sauber möglich ist. Schon dieses Verfahren allein, ohne Reaktor, würde das nukleare Endlager erheblich verkleinern. Mit dem DFR-Reaktor zusammen stellt sich das Problem der geologischen Endlagerung nicht mehr.

Der Reaktor für ein Leistungskraftwerk liegt bei ca. 3mx3mx3m für den Kern. Somit baut der kerntechnische Teil sehr klein. Turbinen haben die üblichen Dimensionen. Die Investitionen für ein Kraftwerk liegen in der Größenordnung eines Kohlekraftwerkes gleicher Leistung. Die Brennstoffe sind vorhanden und bezahlt. Ein Endlager entfällt.

Ist solch ein Ansatz politisch umsetzbar?

Die aktuellen Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik sind überwiegend für nur fünf Jahre bestellt bzw. gewählt. In nur fünf Jahren ist der Beweis, dass obiger Ansatz eine Lösung darstellt, nicht möglich. Man befürchtet viel eher den persönlichen Shit-Storm. Ein solcher Shit-Storm führt eher nicht zur Wiederwahl. Gerade in der Wirtschaft weiß man um die Energieprobleme und trotzdem traut man sich nicht. Soll es doch mein Nachfolger richten, bis dahin wird es schon gut gehen. Eine aktuelle (April 2019) Umfrage unter online-Zeitungslesern brachte, nach vorgeschalteter umfangreicher Information, ein erstaunliches Ergebnis. Über 97% (die 97 haben nichts mit den zu entsorgenden Brennstäben zu tun) stimmten der Anregung zu, dass zunächst ein Prototyp auf den Weg gebracht werden sollte. Das Ergebnis aus diesem Prototyp ist dann Grundlage für nachfolgende Entscheidungen. Solch eine Umfrage sollte im nächsten Schritt nicht nur rund 700 Personen umfassen und auch wissenschaftlich belastbar repräsentativ aufgezogen werden.

Der Weg zum Prototypen muss nicht zwingend in Deutschland gegangen werden. Ein europäisches Projekt wäre angemessen für diese Aufgabe. Polen wäre ziemlich sicher dabei, mit einem möglichen Standort südlich von Stettin.

Wir sollten mit Nachdruck an Lösungen auf Basis der Nutzung von Energieträgern mit hoher Energiedichte arbeiten. CO2-frei sind dies insbesondere die Kernfusion und die Kernspaltung. Die Kernfusion ist vermutlich auf der Zeitachse mit dem Ansatz der Forschung in Greifswald aktuell nicht greifbar. Die Amerikaner sind da in 2015 zuversichtlicher (gewesen ??). Ein 100 Megawatt Fusionsreaktor soll als Prototyp in 5 Jahren (2020) stehen und in 10 Jahren (2025) in Serie gehen. Das Ganze bei Abmessungen von 3mx3mx3m und somit mobil. Da steckt ein ganz anderer Fusionsansatz dahinter, welcher auch immer. Sollte dies tatsächlich so funktionieren, wird man sicher zuerst die eigene Wirtschaft damit ausstatten. Die Energiepreise in den USA würden dann so günstig, dass wir im Rest der Welt keine Chance mehr haben mit unseren Energiepreisen. Bei der Kernspaltung haben wir gute Ansätze, die auch entgegen landläufiger Meinung eine mehrheitliche Zustimmung finden können. Die Zeitachse zum Prototyp liegt bei ECHTEM WOLLEN bei rund 10 Jahren.

Die Welt möchte keinen Ökosozialismus mit Zwang und Verboten. Sie möchte Wohlstand nahe unserem europäischen Standard. Entweder wir schaffen dafür Lösungen oder die Welt kommt zu uns und nimmt sich ihren Teil.

Ich bitte um Eingangsbestätigung und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Volker Eyssen