Die Sicherheitsanforderungen

Die Verordnung über die Sicherheitsanforderungen legt fest, welche Anforderungen ein Endlager erfüllen muss, damit es genehmigt werden kann. Die zentrale Anforderung ist der sichere Einschluss der hochradioaktiven Abfälle. Dieser soll im Endlager durch ein System aus verschiedenen Barrieren gewährleistet werden, das möglichst robust gegen innere und äußere Einflüsse ist. Auch sich selbst erhaltende Kettenreakionen innerhalb des Endlagers müssen verhindert werden.

Was heißt sicherer Einschluss?
Die hochradioaktiven Abfälle müssen im Endlager so konzentriert und sicher eingeschlossen werden, dass sie von der Biosphäre ferngehalten werden. Dies muss anhand konkreter Indikatoren für einen Zeitraum von einer Million Jahren nachgewiesen werden.

Sicherheitskonzept
Im Sicherheitskonzept wird systematisch dargestellt, wie die verschiedenen Barrieren und sonstige Maßnahmen zusammen den sicheren Einschluss der radioaktiven Abfälle gewährleisten. Dabei muss auch gezeigt werden, dass das Endlager selbst bei nicht zu erwartenden ungünstigen Entwicklungen in der Zukunft funktionsfähig bleibt. Darüber hinaus muss beschrieben werden, wie das Endlager sicher errichtet, betrieben und stillgelegt werden kann.

Barrieren
Der sichere Einschluss der Abfälle im Endlager beruht auf einem System von Barrieren. Das sind zunächst die möglichen Wirtsgesteine Salz, Ton und Kristallingestein mit ihren jeweiligen Eigenschaften (bspw. Wasserundurchlässigkeit). Sie werden durch technische und geotechnische Barrieren ergänzt. Beispiele sind Behälter, in denen die radioaktiven Abfälle verpackt sind, oder Verschlussbauwerke, mit denen der Schacht des Endlagers während der Stilllegung verschlossen wird. So soll zum Beispiel ausgeschlossen werden, dass Flüssigkeiten oder Gase in das Endlager eindringen und Schadstoffe bis an die Oberfläche transportieren.

Errichtung, Betrieb und Stilllegung
Die Anforderungen an die betriebliche Sicherheit während der Errichtung, des Betriebs und der Stilllegung des Endlagers orientieren sich an den Sicherheitsanforderungen für andere kerntechnische Anlagen wie z. B. Kernkraftwerke. Durch die durchgeführten Arbeiten dürfen zudem keine Schäden an den Gesteinen entstehen, die den sicheren Einschluss der radioaktiven Abfälle gefährden würden.

Und wenn etwas Unvorhergesehenes passiert?
Die Sicherheitsanforderungen schreiben vor, dass in das Endlager eingelagerte radio-aktive Abfälle bis zum Beginn der Stilllegung rückholbar sein müssen. Auch eine spätere Bergung der Abfälle muss grundsätzlich möglich sein.

Rückholbarkeit/Bergbarkeit – was ist der Unterschied?
Von Rückholbarkeit wird gesprochen, so- lange das Endlager noch in Betrieb ist. Nach der Errichtung des Endlagers wird dieses für einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten aktiv betrieben – in dieser Zeit werden alle hochradioaktiven Abfälle eingelagert und erste Kammern verfüllt. Während dieser Zeit wird kontinuierlich überprüft, ob sich alles erwartungsgemäß entwickelt. Sollte es nötig sein, die Abfälle in dieser Phase wieder aus dem Endlager herauszuholen, spricht man von Rückholung.

Nach der Phase des aktiven Betriebs wird das Endlager schließlich stillgelegt, d. h., es werden alle Schächte und Zugänge verfüllt und verschlossen und die gesamten übertägigen Anlagen zurückgebaut. Danach ist das Endlager in einem wartungsfreien und dauerhaft sicheren Zustand. Sollten spätere Generationen die Abfälle dennoch wieder aus dem Endlager herausholen wollen, spricht man von einer Bergung. Um diese grundsätzlich zu ermöglichen, müssen z. B. die Endlagerbehälter für mindestens 500 Jahre nach dem Verschluss des Endlagers stabil bleiben.